Direkt oder indirekt betroffen? NIS-2 für KMU


Als unabhängiger Berater navigiere ich Sie durch das Dickicht organisatorischer und technischer Entscheidungen. 

Unternehmen, die den Kritischen Infrastrukturen zugerechnet werden, unterliegen den Regelungen der Netzwerk- und Informationssicherheits-Richtlinie 2 (NIS2).

Es gilt ein eigener Katalog umzusetzender Maßnahmen, der die gesamtwirtschaftliche Resilienz von EU-Staaten und kritischen Unternehmen absichern sollen.

Mittelständische Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern oder mehr als € 10 Mio Umsatz/Bilanzsumme aus definierten Wirtschaftssektoren sind aufgefordert die unten folgend beschriebenen Maßnahmen umzusetzen.

Wesentliche SektorenWichtige Sektoren
EnergiePost- und Kurierdienste
TransportAbfallwirtschaft
BankwesenChemieindustrie
FinanzmarktinfrastrukturenLebensmittelindustrie
GesundheitswesenHerstellung kritischer Produkte
Trinkwasser- und AbwasserversorgungForschung und Entwicklung
Digitale InfrastrukturWeltraum
Öffentliche Verwaltung
  1. Da Cyberattacken laut BITKOM 8 von 10 Unternehmen betreffen, sollten Sie auch ohne Verpflichtung den Leitfaden sukzessive umsetzen.
  2. Auch nicht direkt betroffene Unternehmen werden über den Umweg der Lieferketten-Sicherheit von ihren Kunden mit der Erfüllung der Anforderungen konfrontiert, wenn diese direkt oder indirekt als kritische Infrastruktur-Unternehmen gelten.

Die nachzuweisenden Maßnahmen:

Technische MaßnahmenOrganisatorische Maßnahmen
Vorsorge– Penetrationstests
– Zero-Trust-Architektur
– Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen
– Netzwerksegmentierung
– Cloud Security Tools
– Multi-Faktor-Authentifizierung
– Patch- und Schwachstellen-Management – Intrusion Prevention Systems
– Ransomware-Schutz
– Incident Response Automation
– Threat Intelligence Plattformen
– Risiko-Management
– Lieferketten-Sicherheit
– Aufsetzen eines Informationssicherheits-Management-Systems
– Einrichtung einer Informationssicherheits-Organisation
– Berichtserstattung an Behörden
– Ransomware-Schutz
Erkennen– Monitoring
– Endpoint-Detection-Response
– Intrusion Detection Systeme
– Security Information and Event Management
– Incident-Management-Prozesse
– Zusammenarbeit mit Behörden

Risikomanagement

Die Einführung eines Risikoanalyse-Prozesses dient zum Identifizieren von Schwachstellen und potenziellen Bedrohungen. Auf Basis der Analyse werden die Maßnahmen priorisiert und implementiert, die möglichst umgehend zur Risikominderung beitragen.

Implementierung von Sicherheitslösungen

Die folgenden Technologien gegen einen Rahmen vor. Sie werden jedoch bereits in kurzer Zeit nicht mehr dem Stand der Technik entsprechend. Ich verzichte ais Gründen der Unabhängigkeit auf die Diskussion von Produkten und Anbietern.

SicherheitslösungenWesentlicher NutzenÜberwundene Nachteile
Extended Detection and Response (XDR)Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen in EchtzeitManuelle Bedrohungserkennung war langsam und ineffizient
Security Information and Event Management (SIEM)Zentrale Überwachung und Analyse von SicherheitsvorfällenFragmentierte Sicherheitsdaten erschwerten die Analyse
Zero Trust ArchitekturZugriffsschutz durch implementiertes ‚Misstrauen‘ für maximale Sicherheitübermäßiges Vertrauen in interne Netzwerke führte zu Angriffen
Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen (ML)Früherkennung von Angriffsmustern und Anpassung an neue BedrohungenStatische Sicherheitslösungen konnten neue Bedrohungen nicht erkennen
NetzwerksegmentierungEindämmung der Bewegung von Angreifern im NetzwerkAngreifer konnten sich ungehindert lateral bewegen
Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA)Zusätzliche Schutzebene gegen unbefugten ZugriffPasswörter allein boten unzureichenden Schutz
Cloud Security ToolsSicherheit von Cloud-Daten und -AnwendungenFehlende Kontrolle und Transparenz in Cloud-Umgebungen
Intrusion Detection und Prevention Systeme (IDS/IPS)Proaktiver Schutz vor NetzwerkeinbrüchenReaktive Maßnahmen führten zu Verzögerungen bei der Angriffserkennung
Schutz vor RansomwareVerhinderung von Datenverschlüsselung durch RansomwareUnzureichende Backups und Datenisolation erhöhten die Angriffsfolgen
Patch- und SchwachstellenmanagementSchnelle Identifizierung und Behebung von SchwachstellenVeraltete Systeme blieben anfällig für Angriffe
Incident Response AutomationAutomatisierung der VorfallsbewältigungLangsame, manuelle Reaktion auf Sicherheitsvorfälle
Threat Intelligence PlattformenNutzung globaler Bedrohungsdaten zur RisikoerkennungMangel an Kontext und Informationen über globale Bedrohungen

Incident-Management-Prozesse

Die Minimierung von Schäden und die Verpflichtung zur Meldung von Sicherheitsvorfälle an Behörden erfordern klare Informationssicherheits-Prozesse.

  • KI-gestützte Monitoring-Systeme erkennen ungewöhnliche Aktivitätsmuster.
  • XDR-Systeme reagieren nahzu verzögerungslos auf Anomalien.
  • Klare Verantwortlichkeiten und Eskalationsstufen sind Bestandteil des Incident-Response-Plans.

Lieferketten-Sicherheit

Angriffe über die Lieferkette sind das Ziel für Cyberkriminelle.

  • Lieferketten-Informations-Sicherheit mit wesentlichen Kunden und Lieferanten, mit denen eine digitale Zusammenarbeit besteht.
  • Die Verankerung von Sicherheitsanforderungen in Verträgen mit Lieferanten/Dienstleistern überträgt Risikohaftung auf Dritte.
  • Die Cybersicherheitspraktiken von Kunden und Lieferanten sollten kontinuierlich überwacht werden
  • Die Implementierung und Überwachung von Zugangs- und Zugriffs-Management für Lieferanten/Dienstleistern ist ein weiterer Baustein zu mehr Sicherheit. 

Berichtswesen und Zusammenarbeit mit Behörden

Um die Informationssicherheit ganzheitlich zu verbessern, ist der transparente Informationsaustausch mit Behörden und anderen Organisationen wichtig.

  • Die regelmäßige Berichterstattung informiert die zuständigen Behörden zu etablierten und geplanten Sicherheitsmaßnahmen sowie zu eingetretenen Vorfällen.
  • Die Dokumentation aller gemeldeten Vorfälle sowie deren Nachverfolgung dient der eigenen und der nationalen Informationssicherheit.
  • Sicherheitsnetzwerken im Rahmen der eigenen Lieferkette dienen dem Informationsaustausch und sind ein robustes Rückgrat in kritischen Situationen.